Belarus Daily | 3. Jan

Erste Proteste des Jahres 2021; Rücktritt des Oberhaupts der katholischen Kirche, das vier Monate lang nicht ins Land durfte; Woskressenski wieder aktiv

3. Januar 2021 | BYHelp-Mediagroup
Aktion zur Unterstützung unterdrückter Journalisten beim Institut für Journalismus der Belarusischen Staatlichen Universität. Die Teilnehmer:innen hielten Transparente mit den Aufschriften „Free Press Club“, „62 misshandelte Journalist:innen“, „1.200 Tage hinter Gittern“, „497 Festnahmen“ und „15 Strafverfahren“ hoch.
Source: t.me/onlinerby

Erste Märsche des Jahres 2021

Am ersten Sonntag des Jahres 2021 sammelten sich in den Innenhöfen von Minsk und anderen Städten Einwohner zu den traditionellen Märschen der Nachbarn. In Telegram-Kanälen und Medien erschienen Dutzende von Fotos und Videos. An den Protestaktionen beteiligten sich nicht nur Einwohner:innen verschiedener Minsker Stadtteile, sondern auch der umliegenden Dörfer Barauljany und Sokal sowie Menschen in Dsjarzhynsk, Mahiljou und Baranawitschy.

Menschenrechtsverteidiger berichten über vier Festnahmen.

Minsk am Abend.
Source: t.me/radiosvaboda
Aktion in Dsjarzhynsk. Demonstranten zeigen Fotos von zwischen 1999 und 2000 verschwundenen Politikern sowie Fotos derjenigen, die während der Proteste im Jahr 2020 getötet wurden.
Source: t.me/radiosvaboda

Rücktritt des Oberhaupts der katholischen Kirche von Belarus, Tadeusz Kondrusiewicz, der 4 Monate lang an der Einreise ins Land gehindert wurde

Am 3. Januar feierte der Metropolit von Minsk und Mahiljou Tadeusz Kondrusiewicz seinen 75. Geburtstag. Kondrusiewicz hatte noch vor der Rückkehr seinen Rücktritt angekündigt. Nach den kanonischen Regeln der katholischen Kirche muss ein Bischof, der das 75ste Lebensjahr vollendet hat, beim Papst seinen Rücktritt einreichen. Am 3. Januar entließ Papst Franziskus Kondrusiewicz von seinem Posten. „Das ist die Realität, wir können uns dem nicht entziehen“, kommentierte der Ex-Erzbischof von Belarus.

Am 31. August hatten die Grenzbeamten ohne Erklärung Erzbischof Kondrusiewicz die Einreise von Polen nach Belarus verweigert. Später teilte die Regierung mit, das Innenministerium habe Kondrusewiczs Pass für ungültig erklärt.

Alexander Lukaschenko beschuldigte Kondrusiewicz, nach Polen gereist zu sein, um Rat einzuholen, „wie man Belarus zerstört“. Zuvor hatte Kondrusewicz die Gewalt gegen friedliche Demonstranten verurteilt und ihr Ende gefordert.

Tadeusz Kondrusiewicz konnte erst am 24. Dezember nach vier Monaten Exil nach Belarus zurückkehren. Dies geschah nach der Intervention des Vatikans, indem der päpstliche Gesandte Claudio Gugerotti, der ehemaliger Nuntius in Belarus, Alexander Lukaschenko traf.

Seit dem 3. Januar ist der ebenfalls 75-jährige Bischof Kazimierz Wielikosielec vorübergehender Leiter der Erzdiözese. Wielikosielec, Generalvikar der Diözese Pinsk, kümmerte sich neben dem pastoralen Dienst um die Restaurierung und Reparatur in den Kirchen. Insgesamt hat er etwa zehn Pfarreien eröffnet oder erneuert.

Kazimierz Wielikosielec und Tadeusz Kondrusiewicz.
Source: ThinkTanks.by

Woskressenski wird sich in der Allbelarusischen Versammlung für eine allgemeine Amnestie einsetzen

Juri Woskressensky sagte, dass er sich in der Allbelarusischen Volksversammlung für die Idee einer politischen Amnestie einsetzen werde: „Ich denke, dass diese Leute, sowohl die Gesellschaft als auch die in der Minderheit gebliebenen Befürworter des Wandels, einen solchen Schritt der Regierung sehr positiv bewerten würden.“

Woskressenski bezeichnet sich selbst als ehemaliger Mitarbeiter des Wahlkampstabs von Viktar Babaryka. Babaryka selbst ließ durch seine Anwälte aus der Untersuchungshaft erklären: „Herr Woskressenski war kein Mitglied des Wahlkampfstabs, gehörte nicht zum Kreis der Entscheidungsträger und erhielt keine Anweisungen. Daher ist er keine bevollmächtigte Person.“

Als Mitwirkender des Wahlkampfs von Viktar Babaryka (er koordinierte die Unterschriftensammlung im Bezirk Perschamaisky in Minsk) saß Woskressenki zwei Monate lang wegen der Teilnahme an Massenunruhen in Untersuchungshaft. Er wurde jedoch am 11. Oktober, dem Tag nach dem Treffen mit Alexander Lukaschenko im KGB-Gefängnis, freigelassen. Woskressenski selbst erklärte, er sei mit der Ausarbeitung des Verfassungsentwurfs und der Freilassung anderer politischer Gefangener beauftragt und kündigte auch die Registrierung einer neuen Institution an, eines „Runden Tisches der demokratischen Kräfte“. Woskressenski hat auch die Rolle eines Verhandlungsführers zwischen Regierung und Opposition an sich genommen, insbesondere erklärte er, dass ihm diese Befugnisse vom Koordinierungsrat übertragen worden seien. Gleichzeitig hat der Koordinierungsrat sofort jede Verbindung mit Woskressenski dementiert. „Durch einen seltsamen Zufall“ ist die neue Institution „Runder Tisch der demokratischen Kräfte“ unter genau derselben Adresse registriert, wo sich bislang das Wahlkampfstab von Viktar Babaryka befunden hatte.

Seit seiner Freilassung erscheint Woskressenski ständig im staatlichen Fernsehen und wird häufig in den regierungsnahen Medien erwähnt.

Source: TUT.BY

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