Marsch der Studenten in Minsk am 1. September 2020: Proteste, Forderungen und Festnahmen

1. September 2020, 19:03 | KP
Der Marsch der Studenten fand in Minsk statt. Die Aufschrift auf dem Plakat lautet: Weder Verb noch Bindestrich – der Polizeibus erwartet dich.
Source: Pavel Martinchik, KP

Am Tag des Wissens marschierten Hunderte von Studenten verschiedener Universitäten durch Minsk und forderten faire Wahlen und die Beendigung der Gewalt im Land. Dutzende von ihnen wurden festgenommen.

In diesem Jahr war der 1. September genauso ungewöhnlich wie der ganze Sommer (Oder ist das schon die neue Normalität?) – die mit den Wahlergebnissen und der Gewaltanwendung nicht einverstanden Leute zogen durch die Minsker Straßen.

Studenten aus verschiedenen Universitäten der Hauptstadt beteiligen sich an den Demonstrationen. 
Picture by: Pavel Martinchik, KP

Die Studenten verschiedener Hochschulen in Minsk versammelten sich zunächst an ihren Universitäten in der Absicht, zum Bildungsministerium zu ziehen, um eine Petition darüber einzureichen, dass sie mit den Wahlergebnissen und den Geschehnissen im Land nicht einverstanden sind.

Studenten mit Protestplakaten. Die Aufschrift lautet: Physiker für den Wandel.
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Einige Studenten klebten sich in Gestalt einer Performance schwarzes Klebeband über die Münder, als Symbol für die Einschränkungen der Rede- und Meinungsfreiheit.

Die Studenten wollen zeigen, dass sie mit den Wahlen und dem, was im Land geschieht, nicht einverstanden sind. Die Aufschrift auf dem Plakat lautet: Gewalt erstickt die Wahrheit nicht.
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Der Marsch der Studenten in Minsk findet als Zeichen des Nichteinverständnisses mit den Wahlergebnissen und den Geschehnissen im Land statt.
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Die Studenten ziehen durch Minsk.
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Die Behinderungen und Festnahmen von Studenten begannen bereits im Umfeld der Universitätsgebäude – am Hauptgebäude der Belarussischen Staatlichen Universität, an der Minsker Staatlichen Linguistischen Universität, an der Belarussischen Nationalen Technischen Universität … In Bezug auf Letztere gab das Rektorat im Übrigen zu, dass es selbst die Sicherheitskräfte angefordert hatte.

Eine Gruppe von Angehörigen der Sicherheitsorgane.
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Die Polizisten erklärten, die Demonstration sei nicht genehmigt.
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Laut der Presseagentur BelaPAN gelang es BSU-Studenten, über einen Mitarbeiter der Universität eine Petition bei der Hochschulverwaltung einzureichen. Die Universitätsleitung weigerte sich jedoch, die Petition der Studenten selbst anzunehmen. In der Petition wird das Bildungsministerium aufgefordert, eine Erklärung abzugeben, in der es folgende Forderungen unterstützt: den Rücktritt Lukaschenkos, die Einstellung der Gewalt und die Bestrafung derer, die sich der Misshandlung von Demonstranten schuldig gemacht haben, die Freilassung aller politischer Gefangener, die Einstellung der Verfolgung politisch Andersdenkender, den Rücktritt der Zentralen Wahlkommission sowie die Durchführung erneuter, freier  Wahlen mit der Zulassung unabhängiger Beobachter.

Die Polizei riegelt den Studenten den Weg ab.
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Der Demonstrationszug bewegte sich entlang der Nemiga-Straße mit dem Ziel, zum Bildungsministerium zu gelangen. Immer wieder wurde der Zug von Sicherheitskräften behindert.

Polizei und Sicherheitskräfte versperren den Weg.
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Denis Dudinskij nahm ebenfalls am Studenten-Marsch teil.
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An den Fenstern zeigt man die Farben weiß-rot-weiß.
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Studentinnen und Studenten haken sich unter.
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Der Marsch der Studenten in Minsk, die mehrere Stunden im Zickzackkurs durch das Stadtzentrum zogen, endete in der Nähe des Dynamo-Stadions, wo Studenten und Medienvertreter festgehalten wurden. Auch die Journalisten der „Komsomolskaja Prawda für Belarus‟ wurden in Gewahrsam genommen: der Fotograf Sviatoslav Sorkij, der Kameramann Mikita Nedowerkow und die Korrespondentin Maria Eleschevitsch.

Einige Männer wurden von den Sicherheitskräften (OMON) in Polizeiwagen gesteckt.
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Die Festnahmen haben begonnen.
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Am 1. September fand in Minsk der Marsch der Studenten statt
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Noch um 18.00 Uhr wurden die Menschen am BSU-Lyceum und in dessen Innenhof mit Gewalt festgehalten.

Nach Angaben des Menschenrechtszentrums „Viasna‟, dem in Belarus die Akkreditierung entzogen wurde, wurden am 1. September mindestens 53 Personen, darunter neun Journalisten, bei der Studentenkundgebung und anderen Protestkundgebungen in der Hauptstadt festgenommen.

Vor Beginn des Schuljahres gab es Warnungen, dass die demonstrierende Studenten von den Universitäten geworfen werden könnten.