Belarus Daily | 18. Nov

Hockey-Meisterschaft in Minsk steht auf der Kippe, breite Unterstützung für Mediziner von allen außer der Regierung, fortgesetzter Druck auf Einwohner von Nowaja Borowaja

18. November 2020 | BYHelp-Mediagroup
Foto von den Protesten in Belarus, das von Reuters in die Kategorie „Bilder des Jahres 2020“ aufgenommen wurde. Fotograf: Vasily Fedosenko, 9. August 2020.
Source: Radio Free Europe

Europaparlament für Verlegung der Hockey-Weltmeisterschaft aus Minsk, endgültige Entscheidung steht noch aus

Der Rat des Internationalen Eishockeyverbands hat über die politische Lage in Belarus und die Verbreitung von COVID-19 diskutiert.

Belarus stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Rates, da die Weltmeisterschaft 2021 vom 21. Mai bis zum 6. Juni in Minsk und Riga ausgetragen werden soll. Aber Lettland hat bereits seine starke Gegnerschaft gegen eine solche Veranstaltung in der belarusischen Hauptstadt zum Ausdruck gebracht und sogar dem Chef des belarusischen Eishockeyverbands Dmitri Baskow die Einreise nach Lettland verweigert.

Noch vor Beginn der Ratssitzung begann Karin Karlsbro, Europaabgeordnete der schwedischen liberalen Partei mit der Sammlung von Unterschriften für die Forderung, die Weltmeisterschaft 2021 nicht in Minsk auszutragen. Sie wurde dabei von Vertretern Finnlands und Lettlands unterstützt

„Sport sollte keine Politik sein, aber das ist keine Entschuldigung dafür, die Augen vor den aktuellen Geschehnissen in Belarus zu verschließen. Wir können keine Weltmeisterschaft in Arenen abhalten, während Demonstranten auf den Straßen draußen verhaftet und gefoltert werden. Ein Regime zu unterstützen, das Waffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzt, ist völlig inakzeptabel“, sagte Karlsbro.

„Es gibt in Weißrussland [Belarus] Probleme, die wir ernst nehmen müssen, denn es besteht ein erhebliches Risiko, dass die aktuellen Herausforderungen in Minsk, die Regierungsposition des lettischen Ko-Gastgebers und die COVID-19-Pandemie einen erheblichen Einfluss auf die Weltmeisterschaft 2021 in Minsk und Riga haben werden“, sagte Verbandspräsident René Fasel nach der Diskussion.

Zuvor war auf der Plattform „Golos“ [„Stimme“] eine Umfrage durchgeführt worden, bei der 91% von 430.000 Belarusen für die Absage der Meisterschaft in ihrem Land unter solchen Bedingungen stimmten.

Trotzdem nahm sich der Rat des Internationalen Hockeyverbands zusätzliche Zeit, um die Situation zu analysieren und eine Entscheidung zu treffen.

Die Hockey-Weltmeisterschaft wurde heute zu einem Hauptthema schwedischer Medien.
Source: Nasha Niva

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) friert Finanzierung von Projekten im belarusischen Staatssektor ein

„Wir fordern Belarus nachdrücklich auf, weiterhin alle seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen. Die EBRD investiert nach wie vor in Projekte des privaten Sektors in Belarus, aber schon einige Zeit lang geben wir keine Kredite mehr für Regierungsprojekte“, sagte ein Bankvertreter.

Gerichtsverhandlungen, Bedingungen, Entlassungen und Streiks sind die neue tägliche Lebenswirklichkeit der Belarusen

Einige Nachrichten aus Belarus laufen Gefahr, zur täglichen Routine zu werden, obwohl sie die Grenzen von Recht und und Menschlichkeit überschreiten.

So wurden heute die Prozesse gegen Journalisten, die während ihrer Arbeit inhaftiert waren, wieder aufgenommen. Die Journalistin Aljaksandra Kwitkewitsch wurde zu 15 Tagen, der Journalist Ihar Karnej zu 10 Tagen und der Kameramann Maxim Laurezki zu 15 Tagen Haft verurteilt.

Nach 10 Tagen Haft ist der weltbekannte Sportler Andrej Krautschanka auf freiem Fuß.

Der 25-jährige Ingenieur und Programmierer Pavel Mankinenka wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, da er Polizeibeamte mit Pfeffergas besprüht hatte.

In Lida wurde dem Direktor des Lyzeums Nr. 1 keine Vertragsverlängerung gewährt. Im August sprach er sich gegen Wahlmanipulationen aus.

Den zwangsexmatrikulierten Studenten wurde angeboten, an die Universitäten zurückzukehren, jedoch unter der Bedingung, dass sie sich nicht mehr an Protestaktionen beteiligen würden. Übrigens fanden an allen großen Universitäten heute wieder Aktionen statt.

Inzwischen schlossen sich zwei weitere Beschäftigte dem Streik im Salihorsker Unternehmen Belaruskali an.

 Andrej Krautschanka und seine Frau Jana Maximawa, ebenfalls eine bekannte Sportlerin.
Source: TUT.BY

Generalstaatsanwaltschaft droht Klerikern wegen Verurteilung der Zerstörung von Gedenkstätten für Raman Bandarenka

Die Generalstaatsanwaltschaft richtete offizielle Warnungen an die Geistlichen, welche die Zerstörung der Gedenkstätten für Raman Bandarenka verurteilt haben.

Die Spitzen der beiden meistverbreiteten Konfessionen in Belarus, Katholizismus und Orthodoxie, sind in ihrer Bewertung der Geschehnisse einig.

So nannte Juri Kasabuzki, Bischof der römisch-katholischen Kirche, die Handlungen der Sicherheitskräfte „einen Versuch, all das Edle, Reine und Helle zu zerstören, das in unserem Volk ist.“

Der Pressesprecher der Belarusisch-Orthodoxen Kirche, Sergej Lepin, schrieb: „Dies ist eine Verhöhnung der Porträts des Getöteten, der Blumen zu seinem Andenken, ein satanisches Trampeln auf Grablichtern und Ikonen.“

Diese Äußerungen empörten Alexander Lukaschenko. Er beauftragte den Leiter seiner Administration Igor Sergeenko, zusammen mit dem Generalstaatsanwalt, sich mit denjenigen zu befassen, die die Regierung für die Zerstörung der vom Volk errichteten Gedenkstätte kritisierten.

Zur gleichen Zeit erschien im Internet ein offener Brief von Christen in Belarus. Die Autoren fordern das Ende der Gewalt und die Annullierung der Wahlen. Bis Mittwochnachmittag, 18. November, war es bereits von mehr als tausend Gläubigen aus verschiedenen Teilen des Landes unterzeichnet worden.

Source: TUT.BY

Polen ist bereit, gekündigte belarusische Ärzte einzustellen, die Belarusen kaufen von ihrem eigenen Geld Schutzanzüge für Mediziner

Einigen Medizinern und IT-Spezialisten aus Belarus soll es erlaubt werden, in Polen ohne Arbeitserlaubnis zu arbeiten. Es handelt sich um Spezialisten, die mit einem Visum für humanitäre Zwecke oder mit einem Visum mit dem Vermerk „Poland Business Harbour“ in das Land eingereist sind. Letzteres ist für Firmen gedacht, die ihr Geschäft nach Polen verlagern wollen.

Mitte Oktober nutzten fast 800 Fachleute aus Belarus das Programm Poland Business Harbour. Der Umzug nach Polen wurde damals von 22 IT-Firmen unterschiedlicher Größe in Erwägung gezogen.

Anfang November kommentierte Alexander Lukaschenko den Weggang der Ärzte ins Ausland: „Wir haben keine überflüssigen Ärzte. Wir müssen die eigenen Leute behandeln. Aber unserem Prinzip folgend, werden wir niemanden dazu zwingen, hier zu bleiben. Jedoch muss man verstehen: Wenn man weggeht, kann man nicht mehr zurück.“

Unterdessen herrscht in Belarus ein Mangel an Ärzten. Sie sind unter den Bedingungen der Pandemie überlastet, stehen wegen ihrer Ansichten unter ständigem Druck, werden entlassen und verhaftet.

Gleichzeitig sind die Menschen bereit, Ärzte zu unterstützen. So kauften Bewohner eines Wohnviertels in Minsk wiederverwendbare Schutzanzüge für Ärzte. „Liebe Ärzte, passt auf Euch auf und seid gewiss, dass Ihr nicht allein seid!“ ist die Unterschrift zu diesem Foto.

Source: TUT.BY

In „Nowaja Borowaja“ gibt es wieder Wasser, jetzt sind Bewohner von Geldstrafen bedroht

Die Wasserversorgung in einem großen Wohngebiet von Minsk, „Nowaja Borowaja“, ist heute wieder aufgenommen worden.

Nach Ansicht von Experten hätte eine solche Reparatur in einigen Stunden abgeschlossen sein können, aber aus irgendeinem Grund dauerte sie drei Tage. Wie die Einheimischen selbst annehmen, wurden die Arbeiten absichtlich verzögert, da die Behörden „Rache für ihre Haltung an ihnen nehmen wollten.“

Am selben Tag begannen die Menschen jedoch, massenhaft Vorladungen von der Polizei zu erhalten. Diese sagen, dass die Bewohner des Stadtteils wegen „Verletzung der architektonischen Gestaltung der Fassade des Gebäudes oder der Struktur“ und wegen „Verstoßes gegen die Regeln der Verbesserung“ strafrechtlich verfolgt werden. Fast in jedem Fenster der Wohnungen in Nowaja Borowaja hängt eine weiß-rot-weiße Fahne.

Source: TUT.BY

For more information on the events of 18 November 2020, please visit Infocenter Free Belarus 2020: