Belarus Daily | 15. Nov

Tausende nehmen an sonntäglichen Aktionen auf den Straßen von Minsk und anderen belarusischen Städten teil, Sicherheitskräfte setzen Gas und Lärm- und Blendgranaten ein, Festgenommene erneut schwer misshandelt

15. November 2020 | BYHelp-Mediagroup
Source: TUT.BY

Belarusen gehen unter dem Slogan „Ich gehe hinaus“ auf die Straßen, Sicherheitskräfte zerstören Gedenkstätte auf dem „Platz des Wandels“, nehmen alle, die sich dort aufhalten, fest

Die heutige Kundgebung in Minsk stand unter dem Motto „Ich gehe hinaus“. Dies waren die letzten Worte von Raman Bandarenka, bevor er in den Hof hinunterging, wo er von Unbekannten gewaltsam in einen Kleinbus verfrachtet und zu Tode geprügelt wurde.

Dieser Tod hat die belarusische Gesellschaft so aufgewühlt, dass fast im ganzen Land Solidaritätsaktionen durchgeführt wurden – in Brest, Homel, Wizebsk, Mahiljou, Nawapolazk, Wileika, Shodsina, Lida usw. sowie in Minsk.

Die meisten Massenaktionen fanden traditionell in Minsk statt. Am Morgen wurde in Minsk das mobile Internet abgeschaltet und Metrostationen wurden geschlossen. Alle größeren Plätze und Versammlungsorte der Demonstranten wurden abgeriegelt und mit Stacheldraht umzäunt.Trotz der großen Zahl der Demonstranten kam es buchstäblich augenblicklich zur Zerstreuung der Demonstranten und zu Festnahmen sowie zum Einsatz von Gas, so dass die Menschenmenge nicht in der Lage war, einen Demonstrationszug zu bilden.

Menschen laufen vor den Sicherheitskräften davon.
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Misshandlungen während einer Festnahme in einem Supermarkt.
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Epizentrum der Ereignisse war der „Platz des Wandels“ – der Hof, in dem Raman Bandarenka gelebt hatte. Hier wurde eine Gedenkstätte zu Ehren des Getöteten organisiert. 

Bis 14:00 Uhr hatten sich mehrere tausend Menschen in der Nähe des „Platzes des Wandels“ versammelt, der Verkehr wurde blockiert. An diesem Ort eingetroffene Sicherheitskräfte warfen Blend- und Lärmgranaten in die Menge, aber die Menschen ließen sich dadurch nicht einschüchtern.

Am Abend, als noch etwa hundert Menschen auf dem „Platz des Wandels“ waren, umzingelten Sicherheitskräfte den Hof, sie waren gegenüber den Demonstranten um ein Mehrfaches in der Überzahl (Video – Beginn der Festnahmeoperation). Innerhalb von 10 Minuten nahmen sie absolut jeden fest, und das Mahnmal wurde zerstört.

Danach führte die Polizei Festnahmen in den nächstgelegenen Häusern und Höfen durch.

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Die Gedenkstätte auf dem „Platz des Wandels“ wird zerstört.
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Weltweite Trauer um Raman Bandarenka, das offizielle Minsk zerstört Gedenkstätten

An der Solidaritätsaktion mit dem belarusischen Volk beteiligten sich nicht nur Belarusen, sondern auch Bürger anderer Länder in der ganzen Welt. In Den Haag fand die Aktion #ЯВыхожу („Ich gehe hinaus“) statt, die von der belarusischen Gemeinschaft in den Niederlanden organisiert wurde. Menschen versammelten sich auch in Berlin, New York und Dutzenden anderer Städte.

Viele brachten Kerzen und Blumen zu den diplomatischen Vertretungen von Belarus im Ausland. Doch das belarusische diplomatische Korps rund um die Welt drückte sein Mitgefühl nicht aus, die Gedenkstätten wurden zerstört, und in der russischen Stadt Sankt Petersburg rief eine Frau aus der Botschaft sogar die Polizei.

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Daten zu den Festnahmen: mehr als 1.000 Menschen im ganzen Land

Nach Angaben des Menschenrechtszentrums „Viasna“ wurden mit Stand 18:10 Uhr über 1.000 Menschen im ganzen Land festgenommen.

Unter ihnen sind 23 Journalisten, drei bekannte Onkologen, darunter der stellvertretende Direktor des Nationalen Krebszentrums Pawel Maisejau, der Historiker Anton Dazkewitsch, der bekannte 76 Jahre alte Verleger Barys Pasternak und Aliaxandr Tabolski, Mitglied von NaviBand. 

Am Abend berichteten Freiwillige über Misshandlungen auf Polizeistationen, wohin die Gefangenen gebracht worden waren. Ihre Schreie waren in den angrenzenden Straßen zu hören. Nach Angaben der Freiwilligen wurden bereits mehr als 20 Personen mit Krankenwagen verschiedener Polizeidienststellen in Krankenhäuser gebracht.

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Lukaschenko nimmt Sicherheitskräfte und Beteiligte am tödlichen Konflikt in Schutz

Lukaschenko erklärte, dass OMON und die internen Truppen am 9. August darauf nicht vorbereitet gewesen waren, was sich in den Straßen von Minsk ereignete: „So etwas haben wir noch nie erlebt“.

Er behauptete, die Demonstranten hätten den Bereitschaftspolizisten Rückgrat und Beine gebrochen, und es habe ihn „viel Mühe gekostet, die Jungs von einer grausamen Antwort abzuhalten“. Gleichzeitig bestand er darauf, dass alle Berichte über Opfer unter den Demonstranten gefälscht und die blauen Flecken mit Farbe aufgemalt worden seien. Darüber hinaus sagte Lukaschenko, dass diejenigen Personen, die durch Fotos als direkte Beteiligte an dem Konflikt mit dem getöteten Raman Bandarenka identifiziert wurden, der derzeitige Chef des Eishockeyverbandes von Belarus, Dsmitry Baskau, und der Weltmeister im Thaiboxen und Kickboxen, Dsmitry Schakuta, am 11. November nicht in Minsk gewesen seien. Es ist schwer zu sagen, wie glaubwürdig diese Worte Lukaschenkos sind, denn er sagte auch, dass Raman Bandarenka betrunken gewesen sei, obwohl medizinische Dokumente das Gegenteil bezeugen.

Journalisten vermuten, dass Dsmitry Schakuta an der Festnahme von Raman Bandarenka beteiligt war.
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