Öffentliche Stellungnahme der Ökologen und Grünen im Zusammenhang mit der politischen Krise in Belarus und dem Start des Belarusischen Kernkraftwerks (BelKKW)

1. September 2020, 21:00 | ATOMBY
Quelle: https://belaes.by/ru/

Aufgrund der aktuellen politischen Situation in Belarus riefen Umweltschützer und Grüne, darunter die Mitglieder der BAYAK, der belarusischen Partei „Die Grünen“, die öffentliche Kampagne „Ostrovetskaya Atomic ist ein Verbrechen!“, die öffentliche Vereinigung „Ökohaus“ sowie Vertreter der Organisationen Freunde von Neman, Eurobelarus, die öffentliche Inspektion „Green Watch“ und einzelne Aktivisten dazu auf, die Inbetriebnahme des belarusischen Atomkraftwerks zu stoppen. Die Vorbereitungen zur Inbetriebnahme laufen seit August dieses Jahres.

Was heute in Belarus geschieht, kann niemanden gleichgültig lassen, auch die Menschen nicht, die sich sehr weit weg von Belarus befinden. Die ganze Welt beobachtet die Ereignisse in unserem Land – es sind nicht nur Hunderttausende von Menschen auf den Straßen, die Gerechtigkeit fordern, sondern auch Gewalt, der Einsatz der Armee gegen unbewaffnete Bürger, willkürliche Inhaftierungen, erfundene Straftaten und Terror, dessen Ziel es ist, den bestehenden Herrscher mit allen Mitteln an der Macht zu halten.

In diesem Fall ist es schwer, über Ökologie zu sprechen, abgesehen davon, dass eine systematische ökologische Krise alle Bereiche der absoluten Macht durchdrungen hat. Die Zukunft von Belarus wird nie mehr so sein wie die Vergangenheit, in der wir seit 26 Jahren gelebt haben.

In dieser Situation der Regierungskrise und des desolaten Rechtssystems ist eine dramatische Entwicklung der Ereignisse möglich, die zu neuen Opfern, dem Verfall der Wirtschaft und der Identität unseres Landes und somit zum Verlust der Souveränität von Belarus führen kann. Es ist Zeit, mit diesen Auseinandersetzungen und dem Terror aufzuhören, und einen ehrlichen Dialog mit dem eigenen Volk zu beginnen.Schließlich hat keine Diktatur die Naturgesetze abgeschafft, trotz ihres hartnäckigen Widerstands durch ständige Herrschaft und Bewahrung des sozio-ökologischen Systems. Jetzt ist es äußerst wichtig, den Kernpunkt nicht aus den Augen zu verlieren. In diesem Streit zwischen der Regierung und dem Volk von Belarus können alle verlieren, aber vor allem die Regierung, wenn sie unzulässige Mittel anwendet. Und die Gewalt ist eines davon. Das Andere ist die Inbetriebnahme des unnötigen und gefährlichen BelKKW.

Kernkraftwerke sind besonders gefährliche Anlagen, die man nicht einfach während einer revolutionären Situation oder politischen Krise in Betrieb nimmt.

Beginnen wir damit, dass die Streitkräfte und Sicherheitskräfte, die eingesetzt werden könnten, um die Folgen eines möglichen Unfalls zu beseitigen, sind jetzt ganz anders gebunden – in der Konfrontation mit Demonstranten. Diese Ressourcen konzentrieren sich jetzt auf die Orte von Massenprotesten, daher wird es niemanden geben, der die Bürger vor einem Unfall warnt und dessen Folgen mildert.

Wir weisen darauf hin, dass das Risiko eines Unfalls bei der Inbetriebnahme eines Kernreaktors mehrfach höher ist als im laufenden Betrieb. In Bezug auf das BelKKW erhöht sich dieses Risiko in Hinsicht auf die Mängel und Probleme, die beim Bau dieses Kernkraftwerk auftraten.

Das Katastrophenschutzministerium hat das Prozedere des BelKKW-Starts kurz vor den Wahlen geändert und dessen Inbetriebnahme stufenweise, aufgrund einzelner Genehmigungen, aber ohne Betriebsgenehmigung, vor dem Abschluss der entsprechenden Sicherheitsinspektion erlaubt. In den Reaktor des ersten Blocks ist bereits der Brennstoff geladen worden und seine Inbetriebnahme kann schon in den nächsten Wochen erfolgen.

Wir möchten Sie daran erinnern, dass das Leben eines Diktators wahrscheinlich keine 100 Jahre übersteigen wird, aber abgebrannte Kernbrennstoffe sowie die Folgen von Nuklearunfällen bleiben für Mensch und Natur für Hunderttausende von Jahren gefährlich.

Die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks vor Ostrowez muss verhindert werden!

Den 1. September 2020

Die Unterzeichner:

Belarusische Partei „Die Grünen“

Gesellschaftliche Bewegung „KKW Ostrowez ist ein Verbrechen!“

Gesellschaftliche Bewegung „Ökohaus“

Tatjana Nowikowa, Ökologin, Publizistin, Koordinatorin der Belarussischen Antikernkraftkampagne

Tatjana Poschewalowa, Internationale NRO „Eurobelarus“

Nina Poluzkaja, Direktorin der NRO „Freunde von Neman“

Natalja Poretschina, Zentrum Ökologischer Lösungen

Inessa Bolotina, Ökologin

Leonid Platonenko, Öko-Aktivist

Igor Pastuchow, regionaler Koordinator der gesellschaftlichen ökologischen Inspektion „Green Watch“

Alexandr Doroschewitsch, gesellschaftliche ökologische Inspektion „Green Watch“

Jelena Sadowskaja, Journalistin, Redakteurin

Iwan Kowsel, Dr. rer. nat., Universität Bergen, Norwegen